Open-Graph-Protokoll

Statt mit Inhalt beschäftigen wir uns heute zur Abwechslung mal mit der Metaebene. Als Information geht das denn auch noch durch, auch wenn außer der dämlichen Daumen-hoch Grafik optisch nicht so viel bei abfällt. Getreu der binären Logik kann man ja vieles eigentlich nur ganz gut oder eben nicht so toll finden. Und damit es die ganze Welt (und vor allen Dingen: die Werbepartner der Fitze-Fatze-Buchhalter) auch mitbekommt, werden noch ein paar Tags rangeklebt und alles schön abgespeichert in Zuckerbergs großer Datenbank. Simsalabim – schon hat eine Idee oder irgendso’n Ding unserer beschränkten Wirklichkeit in Windeseile eine eigene soziale Gemeinschaftsseite zugewiesen gekriegt. Mein Freund der Baum sozusagen. Einfach Irre!

Dreimal krähte der Hahn und Petrus weinte

In der Kurzbeschreibung bei DasErste.de steht eigentlich schon alles zur Handlung. So richtig schlecht war der Blutgeld Tatort gestern abend ja nicht, aber aus dem Sizilianische-Mafia-Thema hätte man doch mehr rausholen können. Das Ende war da zugegebenermaßen noch ganz spannend inszeniert, ansonsten verhedderte sich das kunstfaserige Drehbuch überwiegend in des Bankangestellten Bigamiedrama und seinen verzockten 1,3 Millionen Euro. Vom Niveau ungefähr wie eine Kottan ermittelt Folge von 1978, nur nicht ganz so lustig.

Du weißt, daß du in Berlin aufgewachsen bist, wenn …

  • du die Nachrichten in erster Linie aus den B.Z.-Schlagzeilen erfährst.
  • du dich gar nicht mehr über Bomben aus WWII wunderst, die ab und zu noch gefunden werden.
  • du dich immer noch nicht in die lange Menschenschlange angestellt hast, um mal die Reichstagskuppel zu besichtigen.
  • du noch keine Rockband in der O2 Arena gesehen hast, geschweige denn weißt, wo die überhaupt ist.
  • du seit deiner Schulzeit BVG Monatskarten mit Wertmarken beklebst.
  • „Zurückbleiben“
  • du den Weihnachtseinkauf am Kudamm erledigst.
  • du die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche nicht unbedingt als Sehenswürdigkeit ansiehst.
  • für dich der Rest der Welt ziemlich teuer zu sein scheint.
  • du im Slalom um Hundehaufen instinktiv deinen Weg findest.
  • Reinickendorf, Steglitz und Spandau für dich mehr als nur Namen von U-Bahn Stationen sind.
  • deiner Meinung nach Pfannkuchen keine Berliner und Eierkuchen keine Pfannkuchen sind.
  • du eigentlich immer Schrippen zum Frühstück isst, obwohl der Bäcker mindestens zehn weitere Kleingebäcke im Angebot hat.
  • du Dreivierteldrei nicht als Rechenaufgabe, sondern als Uhrzeit begreifst.
  • dir dit kaum stört, wenn dich eener wegen deine komische Aussprache kritisiert.
  • (tbc)
    Im Fitze-Fatze Buch zu London gefunden.

    Tag der Erde

    Kurz bevor die Wale wieder mal auszusterben drohen, kümmern sich unsere Email Aktivisten von Avaaz um ein paar tausend Unterschriften, damit das schnell noch verhindert werden kann. Immerhin ist heute auch passenderweise Earth Day (z.B. bei RadioEins). Wäre ja doppelt blöd, wenn außer durch die Umweltverschmutzung auch noch aktiv die eine oder andere Spezies ausgerottet wird.

    Anlassen 2010

    DorfkircheKurz hinter der Stadtgrenze, wo unübersehbar die letzten 20 Jahre so einige speckgürtelige Fertighausbaufamilienträume wahr geworden sind, wollen noch zwei kleine Kreisverkehre umkurvt werden, und schon ist man in Alt-Großziethen.

    Christ und Motorrad in der Dorfkirche, Gottesdienst zum Saisonbeginn. Thema sind nicht die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, wie die Tafel neben dem Altar suggerieren könnte, sondern Schlaglöcher allerlei Art. Die im Asphalt und auch solche, welche einem das Leben generell vermiesen.

    Gruppenpsychotherapie mit Rassel, Stormy Sunday Gitarrenblues und das übliche Evangelenpflichtprogramm – kleines Liedchen zur Orgel, obligatorisches Herrengebet und Segen der Pfarrerin. Amen.

    Danach auf der anderen Straßenseite über die Ampel im Gemeindehaus gibt es Rostbratwurst, aber ich habe keinen Hunger. Und fahr aus lauter Langeweile gleich wieder nachhause.

    Gemeindehaus Rostbratwurst

    Wir wollen keine Gentechnik!

    Nochmal der Hinweis zur Unterschriftensammlung.

    Der neue Gentechnik-Kommissar der Europäischen Union, John Dalli, macht Ernst: Zum ersten Mal seit 1998 hat er jetzt eine Gentechnikpflanze für den Anbau in Europa zugelassen. Der Gentechnik-Kartoffel „Amflora“ von BASF sollen bald weitere Zulassungen für Gentechnik-Mais folgen. Die Bundesregierung steht hinter dieser neuen Linie der EU-Kommission.  Für den Anbau 2010 ist es zwar zu spät. Aber wenn wir uns jetzt nicht wehren, werden BASF, Monsanto und Syngenta auch gegen den Willen der Bevölkerung  im nächsten Frühjahr Europa mit ihren Gentechnikprodukten überschwemmen.

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    Quatsch Comedy Club

    Wie jedes Jahr geht mir die Konferenz der bloggenden Wichtigtuer auch diesmal wieder ziemlich am Arsch vorbei. Unter dem supergenialen Big Light – Motto NowHere suchen Nirgends bzw. JetztHier ein illustrer Haufen Werbefuzzies die Antwort auf die Frage, warum das Internet Scheisse ist. Und wer den Sturm der Entrüstung überlebt und auch nicht von der Katze gefressen wird, bekommt doch Gelegenheit, wenigstens ein paar interessanten Sessions beizuwohnen um was dazu zu lernen. Was Kathrin Passigs Vortrag wiederum thematisch ad absurdum führen dürfte. Aus der marxistisch-leninistischen Ecke sind noch zwei Beiträge erwähnungswert, einerseits Jörg Kantels Urheberrechtsabhandlung, die ich als Kopie hier einfach ungefragt veröffentliche, und dann noch Melissa Gira Grant über ein ganz anderes Thema. Naja, fielleicht nächstesmal mal hingehen.

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    Surf, Beat, Country & Western

    Im Brauhaus Südstern sitzen Reisebusladungen von Touristen und die Bayern verlieren gegen Leverkusen 1:1. Erstmal Zeit genug zum Speisen und lecker trübes Biertrinken. Zum Glück stompen bald die Weirdos über die Bühne. Mit neuem Drummer, der nicht mehr wie der vorige alle Wirbel verwirbelt. Noch viel besser und lockerer wie letztes Mal werden instrumentale Evergreens von den Shadows Apachie über Beatles Cry For A Shadow bis zum zweiten Set Green Onions von Booker T. & the M.G.’s dargeboten. Aber man soll gehen, wenn’s am schönsten ist. Also weiter ins Leidicke Leydicke, da feiern The Mountaineers (Country-Music-At-Its-Best) irgendeinen Geburtstag mit Pedal-Steel-Gejaule und Cowboy Gesang. Zum Abschluss nehmen wir noch’n Sauern mit Persico, bevor wir doch lieber nach Hause flüchten.

    The Great Rock ’n’ Roll Swindle

    Ich habe keine Ahnung, was der alte Sack die letzten 30 Jahre so getrieben hat, aber immerhin war er im hohen Maße mit verantwortlich dafür, daß Ende der Siebziger jeder Idiot, der wenigstens einen Barrégriff auf der Gitarre beherrschte, eine Punkband gründete. Kurze Zeit später ist die „Musik“-Richtung, welche im Prinzip nur eine Verballhornung gängiger Rock Klischees und damit eigentlich ohne großen Belang war, auch schon wieder von vorgestern. Die zeitlose Dimension des Irrsinns zeigt sich aber, wie zu diesem traurigen karzinomen Anlaß wieder, wenn die Sex Pistols aus der Schublade gekramt werden und sich die Kulturredaktion erbsündigend in trauter Eintracht nochmal die Sicherheitsnadel durch die Backe sticht. Dem Meister hätte es wohl gefallen.

    R.I.P.

    Nachtrag: Auf Spreeblick ist nachträglich doch noch ein ein bisschen fundierterer Nachruf nachzulesen (und nachzuhören).